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Die 27-jährige Millie braucht dringend einen Job. Frisch entlassen aus dem Gefängnis ist die Suche nach einem Arbeitsplatz, den sie behalten kann, gar nicht mal so einfach. Auf Bewährung, in ihrem Auto wohnend, muss sie so schnell wie möglich eine Stelle finden, oder sie wird zurück ins Gefängnis geschickt. Zu Millies Glück suchen die Winchesters nach einer Haushalthilfe, die bei ihnen einzieht. Und noch mehr Glück hat Millie, dass Nina Winchester ihr den Job anbietet. Endlich scheinen sich die Dinge zum Guten zu wenden. Naja, bis zum ersten Arbeitstag, an dem sich herausstellt, dass Nina Winchester vielleicht doch nicht die nette und perfekte Auftraggeberin ist, als die sie sich ausgegeben hat…
Professionelle Büchersammlerin und Teilzeit verantwortungsvolle Erwachsene
Hallo und herzlich willkommen, ihr lieben Bookdragons.
Ich freue mich riesig, dass ihr den Weg zu meiner allerersten Review auf dieser Website gefunden habt. Egal, ob dies tatsächlich die erste Review ist, die ihr hier lest, oder ob ihr bereits durch andere Beiträge gestöbert habt – dieses Buch war das erste, das ich für unsere Sammlung ausgewählt habe. Und ich könnte nicht glücklicher sein, es mit euch zu teilen.
Ich freue mich jetzt schon darauf, eines Tages zu dieser Review zurückzukehren und zu sehen, wie sehr wir uns seit diesen ersten Anfängen weiterentwickelt haben.
Ich hoffe, ihr habt genauso viel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schreiben hatte. Also: Lasst uns loslegen.
Das Buch startet mit einem Cold Open. Wir gehen direkt in die Story, mit dem Wissen, dass es eine Leiche geben wird. Die Frage ist nur, wessen? Zunächst springen wir aber erst einmal drei Monate in der Zeit zurück und lernen Millie kennen – eine unserer Protagonist*innen. Sie hat ein Vorstellungsgespräch mit Nina Winchester bezüglich der Stelle als Haushaltshilfe.
Nina scheint, als wäre sie die perfekte Frau: makellose weiße Kleidung, einwandfreies Make-Up, perfekte Manieren und ein Haus so sauber, dass selbst Millie sich fragt, wozu zur Hölle eine Haushaltshilfe benötigt wird. Das Einzige, das komisch wirkt, ist der unheimliche Dachboden, der als Millies Zimmer dienen soll. Wenn dieses Set-Up allein nicht schon „Red Flag“ in unsere Gesichter schreit, dann tut es Ninas gruselige Tochter Cecelia – die Millie als perfekte Hauptfigur in einem Horrorfilm beschreibt. Und wer jetzt immer noch nicht skeptisch genug ist wird spätestens von Enzo, dem Gärtner, überzeugt der Millie unauffällig ans Herz legt, den Job nicht anzunehmen.
Wir wissen also, dass es offensichtlich nicht die schlauste Idee wäre bei den Winchesters zu arbeiten. Nur sind wir nicht Millie, die zufälligerweise frisch aus dem Gefängnis entlassen wurde (auch wenn wir nicht wissen, wofür sie einsaß), auf Bewährung ist und in ihrem Auto wohnt. Versteht sich von selbst, dass Millie den Job annimmt.
Als Millie ihren ersten Arbeitstag antritt, ist sie sprachlos, als sie feststellt, dass das zuvor fleckenfreie Haus nun ein einziges Chaos ist. (Selbstverständlich dürfen wir nun unser Buch anschauen und schreien „Ich wusste es!“. Wir erkennen schließlich Red Flags wenn wir sie sehen, und dürfen uns dafür auf die Schulter klopfen). Am selben Tag lernen wir auch Cecelia besser kennen. Ich bin ehrlich mit euch – ich hab sie sofort gehasst. Ihr gruseliges Aussehen mal zur Seite geschoben, sorgt ihre Attitüde nur dafür, dass man sie anschreien und ihr sagen will, dass sie still sein soll. Ganz ehrlich, was ist los mit verzogenen Kindern? Werde ich nie verstehen.
Aber egal. Cecelia beginnt ein Wahnsinns Drama abzufahren, als Cecelia ihr einen Cracker mit Erdnussbutter anbietet und beschuldigt Millie lautstark, dass sie sie töten wolle. Ich mein, ja, wir wissen alle das Allergien beschissen sind und man von ihnen sterben kann, aber liebe Cecelia: Komm.Mal.Runter! Millie kennt dich seit gefühlt zwei Sekunden, und kann keine Gedanken lesen. Es hätte vollkommen ausgereicht ihr nur zu sagen, dass du allergisch bist. Dieses Kind. Aber gut, ihr seht ich habe eine Abneigung.
Aber lasst uns mit dem nächsten Tag fortfahren. Millie hat sich gerade fertig gemacht und wird sofort von einer Küche – die aussieht, als wäre ein Tornado durch sie geflogen – und einer völlig durchgedrehten, schreienden Nina, begrüßt. Diese kann nur von Ihrem Mann Andrew beruhigt werden, der sich anschließend in Ninas Namen bei Millie entschuldigt. Ich habe es bisher noch nicht erwähnt, werde euch an dieser Stelle aber darüber informieren das Andrew zufälligerweise extrem attraktiv ist. Denn, selbstverständlich braucht diese Story noch mehr Drama. Und eine Haushaltshilfe, die auf den heißen Mann ihrer Chefin abfährt, passt doch super.
Für die nächsten Kapitel müssen wir nicht ins Detail gehen. Sie zeigen nur, dass Nina psychische Probleme hat, ihre Persönlichkeit stündlich wechselt und Millie wie Dreck behandelt. Diese bleibt nur, weil sie auf den Job angewiesen ist.
An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Einschub zu Kapitel 16 einbringen. Hier treffen wir Ninas „Freundinnen“ bzw. die anderen reichen und arroganten Frauen. Und, Halleluja, hing meine Geduld hier an einem dünnen Faden. Solche Gruppen schaffen es immer wieder, dass ich in Sekundenschnelle einen Puls von 1000 bekomme und die Zähne zusammenzupresse. Dumme, reiche Menschen, die denken durch ihr Geld stehen sie über allen anderen. Lieben wir. Oder in anderen Worten: Bitte kauft euch alle ein one-way Ticket zum Mars. Danke. – Sorry, ich war gerade wohl ein winziges bisschen emotional überwältig. Aber wie ihr merkt, mag ich verzogene Menschen, die denken sie sind was Besseres so überhaupt nicht.
Aber zurück zur Story. Millie bekommt das Gefühl, dass sie etwas „Entspannung“ gebrauchen könnte und beginnt mit Enzo dem (offensichtlich) heißen Gärtner zu flirten. Ich möchte anmerken, dass Millie und ich hier eine Gemeinsamkeit haben: Absolut zero flirting skills. Um zum Punkt zu kommen (Wortwitz nicht geplant): Enzo lehnt Millies Flirtversuche ab und diese sabbert weiter Andrew hinterher.
Währenddessen haben auch Andrew und Nina ihre Probleme. Andrew möchte mehr Kinder (obwohl Cecelia, aka das Kind aus „The Shining“, nicht seine leibliche Tochter ist). Die beiden haben einen Termin bei einem Reproduktionsmediziner, der ihnen mitteilt, dass Nina keine weiteren Kinder bekommen kann. Darauf folgt ein lauter Streit, mitten in der Nacht, der die beiden in einer angespannten Atmosphäre zurücklässt.
Um den Haussegen wieder gerade zu biegen, bittet Andrew Millie Ticktes, für eine Broadwayshow zu besorgen. Und obwohl Millie vorher sichergestellt hat, dass sie das korrekte Datum hat, flippt Nina wieder aus, als der Termin vor der Tür steht. Sie behauptet, Millie einen anderen Termin gegeben zu haben und kann nun nicht mit zur Show, da sie Cece zum Sommercamp fahren muss. Und selbstverständlich ist die offensichtliche Lösung das – na, wer weiß es? – richtig, Andrew stattdessen Millie mitnimmt. Und (ja, ihr dürft jetzt überrascht tun) natürlich haben die beiden Sex.
An dieser Stelle kürze ich mal ab. Nina erfährt von der Affäre, aber Andrew schmeißt sie aus dem Haus und bittet Millie bei ihm zu bleiben. Die beiden schlafen weiterhin miteinander und es scheint, als wäre endlich alles gut – zumindest bis Millie herausfindet, dass Andrew (nachdem er mit ihr geschlafen hat) sie auf dem Dachboden eingesperrt hat.
Und hier kommt unser Plot Twist.
Wir lesen nun aus Ninas POV und stellen fest, dass Andrew ein großes, mieses Stück Scheiße ist, dass darauf abfährt Nina auf dem Dachboden einzusperren und sie zu foltern. Er hat sogar versucht Cecelia umzubringen und es geschafft so aussehen zu lassen, als wäre es Nina gewesen. Seine Manipulationskünste gehen so weit, dass alle glauben Nina wäre verrückt, obwohl sie das nicht ist und in Wahrheit das eigentliche Opfer ist.
Ich bin euch ehrlich: dieser Twist hat mich nicht überrascht. Nina als Übeltäterin darzustellen war zu offensichtlich. Ich habe stark bezweifelt, dass Freida McFadden einen auf Agatha Christie machen und Cecelia als böses Genie darstellen wird. Da Enzo kaum auftaucht blieb damit nur Andrew. Und sind wir mal ehrlich, wir hätten alle draufkommen können, dass Andrew ein bisschen verrückt ist, als er – nachdem er mit Millie geschlafen hat – seine Boxershorts für den fünf Meter Weg zur Dusche anzieht. Was zur Hölle ist falsch mit dir Andrew? Geh einfach direkt nackt unter die Dusche du Psycho. Aber ich komme vom Thema ab.
Ab Ninas POV hat mich die Story stark an „Saving Grace – Bis dein Tod uns scheidet“ von B.A. Paris erinnert. Ich geh hier nicht in Details, um euch nicht zu spoilern, aber wenn ihr „Wenn sie wüsste“ mochtet, kann ich euch dieses Buch nur sehr ans Herz legen. Und vielleicht denkt ihr dann ja auch, dass das Frieda McFaddens Inspiration war.
Aus Ninas Sicht erfahren wir, dass Andrew sie über Jahre hinweg misshandelt hat, und ihr niemand glaubte. Niemand, außer Enzo. Wie sich herausstellt hat Nina sich ihm anvertraut und er bot an ihr und Cecelia zur Flucht zu verhelfen. Doch Andrew ist einen Schritt voraus, und deckt den Plan auf – auch wenn er nicht weiß das Enzo involviert war. In völliger Verzweiflung überlegt sich Nina einen neuen Plan, um ihrem Mann und dem Dachboden zu entfliehen. Sie braucht einen Ersatz – Millie.
Wir erfahren nun, dass Nina von Anfang an geplant hat, dass Millie und Andrew sich voneinander angezogen fühlen und miteinander schlafen. In der Hoffnung, dass Andrew dann Millie als neues Spielzeug sieht. Doch Nina hat Millie nicht nur angestellt, um sie zu ersetzen. Nein. Sie hat sie angestellt, um Andrew zu töten.
Erinnert ihr euch, dass Millie gerade aus dem Gefängnis gekommen ist? Nun, meine Lieben: Sie saß wegen Mordes. Wie sich herausstellt ist Millie dafür bekannt mit Männern „die Geduld zu verlieren“.
Die Sichtweisen ändern sich nun immer wieder. Millie findet heraus, dass Andrew völlig abgedreht ist, während dieser einen Weg findet sie, eingesperrt auf dem Dachboden, zu foltern. Währenddessen bekommt Nina – angespornt von Enzo –ein schlechtes Gewissen, und fragt sich, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Millie findet jedoch einen Weg Andrew hereinzulegen und ihn, statt ihr, auf dem Dachboden einzusperren. Ich gehe hier bewusst nicht ins Detail, aber sie foltert und tötet ihn.
Nina – angespornt vom schlechten Gewissen – kehrt zum Haus zurück, um Millie zu befreien. Doch dort findet sie stattdessen Andrews Leiche und eine weinende Millie, die Angst hat nun wieder ins Gefängnis zu gehen. Doch Nina bietet ihr an die Schuld auf sich zu nehmen und sagt Millie, sie soll verschwinden.
Wir sind nun wieder am Anfang der Geschichte, mit der Polizei im Haus. Jetzt treffen wir auch auf den wahren Helden der Story: Officer Connors. Obwohl es eindeutig ist, dass Andrew gefoltert wurde und nicht bloß an Dehydrierung gestorben ist, schafft er es das ganze unter den Teppich zu kehren. Es stellt sich heraus, dass Connors Tochter Andrews ehemalige Verlobte ist, und er nur eine zu gute Vermutung hat, was Nina durchleiden musste.
Von dort springt die Geschichte zu Andrews Beerdigung und wir finden heraus, dass -oh Schocker – seine Mutter ihn auch gefoltert hat. (Also bitte, sind wir ehrlich. Wir Thriller Fans waren alle schon tief genug in True-Crime-Story-Rabbit-Holes versunken und wissen, dass die Kindheit von Täter*innen meist scheiße war). Trotzdem kommt bei mir nun die Frage auf, was Evelyn (Andrews Mutter) Cecelia angetan haben muss, als sie auf sie aufgepasst hat. Das erklärt dann wohl, warum sie so ist, wie sie ist (naja, plus halt Andrews Rolle in der Angelegenheit). Ich denke in diesem Fall können wir ihr wohl verzeihen, dass sie verzogen ist.
Wie dem auch sei. Die Geschichte endet mit Millie bei einem Vorstellungsgespräch. Wieder um einen Job als Haushaltshilfe – empfohlen von Nina. Oder anders gesagt: einer Möglichkeit wieder eine Frau von ihrem misshandelnden Mann zu befreien.
Obwohl der Plot Twist für mich nicht überrascht hat, hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es war entspannt zu lesen und hatte genau den richtigen Mix aus Angespanntheit und Humor. Ich bin persönlich ja ein kleiner Angsthase, daher finde ich, dass Psychothriller für mich immer die perfekte Balance zwischen Unruhe und Grusel haben. Und ich liebe Thriller mit kurzen Kapiteln und wechselnden POVs – besonders ab dem Plot Twist. Das macht es immer einfach, das Buch zu verschlingen und sich in der Geschichte zu verlieren. Die Charaktere waren gut durchdacht und ich fand es super, dass keine Person perfekt war. Das hat das Ganze noch realer gemacht. Und obwohl ich die Vermutung habe, dass Freida McFadden gespickt hat, habe ich jede Sekunde des Buches genossen. Alles in allem also ein guter, spannender Thriller.
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