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Die Protagonistin, Cadence hat seit dem Sommer 16 umfangreiche Erinnerungslücken. Nachdem Sie in diesem Sommer mit Kopfverletzungen am Strand der Familieninsel Beechwood Island gefunden wird, stellt Sie sich immer wieder die Frage, was genau passiert ist. Und warum hat sich niemand der Liars, bestehend aus Ihrer Cousine Mirren, Ihrem Cousin Johnny und einem Familienfreund Gat, bei Ihr gemeldet? Ihre Mutter liefert darauf stets die gleiche, wenig hilfreiche Antwort: „Das habe ich dir schon hundertmal erzählt. Jedes Mal bekommst du einen Anfall und verlierst wieder dein Gedächtnis. Um dich zu schützen, sage ich dir nichts mehr.“ Somit macht sich Cadence eigenständig auf die Suche nach Antworten.
Professionelle Übereinkäuferin von Büchern und Vollzeit-Liebhaberin fiktionaler Welten
Kurz vor ab: Ich habe die Amazon Serie bereit vor einiger Zeit geschaut und total geliebt. Nun habe ich mich an das Buch gewagt, mit der Erwartung, dass mich dieses ebenfalls umhaut. Falls ich also Elemente des Buches und der Serie durcheinander bringe, seht es mir nach.
Und ich kann es selbst kaum glauben, aber: In diesem Fall fand ich die Serie deutlich besser als das Buch. Ja, wirklich.
Natürlich kannte ich die Story bereits, aber das Buch wirkt im Vergleich überraschend oberflächlich. In der Verfilmung bekommen wir viel mehr Einblicke in die Beziehungen der Liars und auch in die individuellen Probleme der einzelnen Charaktere.
Die Serie hat mich emotional komplett zerstört – ich habe die gesamte letzte Folge (45 Minuten!) durchgeheult. Der Plottwist hat mich so unvorbereitet getroffen, dass ich danach erstmal kurz mein Leben hinterfragen musste.
Im Buch hingegen war dieser Twist… naja, sagen wir mal: weniger überraschend. Selbst ohne Vorwissen bin ich ziemlich sicher, dass man ihn relativ früh kommen sieht. Meine Freundin Lisa würde ihn wahrscheinlich schon zehn Kapitel vorher riechen – und zwar gegen den Wind.
Ein weiteres Problem: Der Fokus liegt fast ausschließlich auf Cadence. Klar, sie ist die Protagonistin, aber die Nebencharaktere hätten deutlich mehr Raum verdient. Besonders schade, weil gerade ihre Geschichten unglaublich viel Potenzial haben.
Cadence Sinclair ist die Erstgeborene und somit die rechtmäßige Erbin des Sinclair-Vermögens. Nach dem Tod der geliebten Großmutter Tipper kehrt die Familie im Sommer 2016, wie jedes Jahr, auf die Familieninsel zurück. Wie jedes Jahr verbringen die Liars bestehend aus Mirren, Johnny, Gat und Cady sehr viel Zeit miteinander, so viel, dass aus Cady und Gat mehr als nur Freunde werden. Ihr Großvater Harris Sinclair, ist von dieser Bindung nicht sehr angetan. Den schließlich haben die Sinclairs nach diesem aus blonden und blauäugigen Familienmitgliedern zu bestehen. Doch das ist nicht das einzige Problem, den vor seiner Ankunft auf der Insel hat Gat eine Beziehung mit einer anderen angefangen und verschweigt Cady dies. Nach der Enthüllung des Geheimnisses entzweien sich die beiden etwas.
Als würde dies nicht bereits reichen kommt es immer wieder zu lautstarken Streitigkeiten zwischen den drei Töchtern von Harris – Penny, Bess und Carrie.
Wer bekommt das schönste Haus? Wer erbt die wertvollsten Dinge? Nach diversen Eskalationen machen sich die Liars daran das Problem selbst zu lösen.
Als Cady zum Ende des Sommers mit einer Kopfverletzung im Wasser aufgefunden wird, erinnert sie sich an gar nichts. Ihre Mutter besteht darauf ihr nicht mehr von den Geschehnissen zu erzählen, da sie die vergangenen Male immer einen Anfall erlitten und sich im Anschluss erneut nicht erinnert hat.
Als sie dann erneut auf die Insel zurückkehrt, kommt ihr zunächst alles normal vor. Die Liars sind dort und Sie verbringen viel Zeit miteinander. Doch nach und nach fallen ihr mehr Unstimmigkeiten auf.
Warum wurde das geliebte Haus Clairmont abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt?
Wo sind die Familienhunde hin?
Warum sind die Gegenstände, um die sich ihre Mutter und Tanten ständig gestritten haben, plötzlich kein Thema mehr?
Langsam setzt sich das Puzzle zusammen – und die Wahrheit ist alles andere als harmlos: Im Sommer ’16 kam es zu einem Brand in Clairmont, ausgelöst von den Liars selbst. Dabei kamen nicht nur die beiden Familienhunde ums Leben, sondern auch Johnny, Mirren und Gat.
Es wird fast ausschließlich auf die Protagonistin Cady eingegangen und auch wenn ich Cady-Fan bin und Sie die Geschichte gewissermaßen trägt, hätte ich mir mehr Stage für die doch sehr wichtigen Neben-Charaktere erhofft. Das finde ich besonders schade, wo mich in der Serie doch besonders die Geschichten von Merrin, Johnny und Gat berührt haben.
Gat, ein junger Mann mit indischer Herkunft, der mehr als nur einmal den blanken Rassismus des Familienoberhauptes Harris Sinclair erfährt und mit aller Kraft versucht darauf aufmerksam zu machen, wie falsch es ist andere aufgrund Ihrer Herkunft anders zu behandeln.
Johnny, der zweitgeborene Sinclair. Dadurch das er den Titel des Erben knapp verfehlt hat, setzt er einiges daran anders auf sich aufmerksam zu machen, was nicht immer im positiven endet.
Und Mirren. Ich muss sagen ihre Geschichte hat mich von allen wohl am meisten berührt. Die Probleme und Auseinandersetzungen, die sie mit Ihrer Mutter hat (welche nur so ganz nebenbei von Candice King – also Caroline Forbes aus Vampire Diaries gespielt wird) welche sie dafür verantwortlich macht unzufrieden in der Mutterrolle zu sein. Darüber hinaus plagt Sie das Gefühl, von niemandem richtig gesehen zu werden, weder von Ihrer Familie, noch von Jungs an denen sie Interesse zeigt.
Viele dieser Aspekte kommen im Buch kaum oder gar nicht vor. Und das ist wirklich schade, denn sie hätten für deutlich mehr emotionale Tiefe gesorgt.
Auch fällt auf, dass sich die Liars im Buch fast ausschließlich in Cuddledown aufhalten und kaum Kontakt zu anderen Familienmitgliedern haben. Das macht das Ende leider noch vorhersehbarer.
Und dann wären da noch die Hunde…
Wer mich kennt, weiß: Bei Tieren bin ich raus – emotional komplett verloren. In der Serie habe ich geheult wie ein Schlosshund (pun intended), als klar wurde, dass die beiden Golden Retriever Prince Philip und Fatima im Feuer gestorben sind.
Im Buch? Hat mich das erstaunlich kalt gelassen. Und das will was heißen.
Zu diesem Zeitpunkt dachte ich übrigens noch: „Okay, schlimmer kann es nicht werden.“
Spoiler: Doch. Kann es.
Also, Achtung – jetzt wird’s traurig:
Wenn du es bis hier hin geschafft hast, kennst du bereits das Ende der Geschichte.
Bei dem Versuch Ihre Familie aus den Fängen des Geldes zu befreien, kommen die Liars auf die Idee einfach komplett Clairmont niederzubrennen. Somit soll es auch nicht mehr zu Auseinandersetzungen unter den Schwestern kommen, oder? Doch als sich die vier daran machen das Feuer zu legen wird schnell klar, dass der Plan doch deutlich weniger durchdacht ist, als zu Beginn erwartet.
So kommt es dazu, dass Johnny und Mirren Brandbeschleuniger in den oberen Etagen verteilen, ohne die Fluchtwege zu beachten. Gat kann im ersten Moment den Flammen entwischen, läuft jedoch erneut ins Feuer zurück als er sieht, dass am vereinbarten Treffpunkt niemand auf Ihn wartet. Anschließend wird auch er durch die zu schnell ansteigenden Flammen eingesperrt. Die einzige, die dem Feuer entfliehen kann ist Cadence. Als ihr dies bewusst wird, bricht Sie im Wasser zusammen.
Anschließend ist es der Gegenwarts-Cady möglich dennoch mit den Liars zu sprechen und diese Gespräche sind wirklich herzzerreißend. In der Verfilmung fallen Sätze wie „I don‘t want to burn again“ von Johnny und „I don’t think anyone ever really saw me. And now nobody will.“ die mir komplett das Herz zerrissen haben.
Die Serie arbeitet außerdem mit vielen subtilen Hinweisen, die beim zweiten Schauen plötzlich Sinn ergeben. Zum Beispiel Johnnys Aussage, dass er keine Sonnencreme mehr benutzt – weil er nicht mehr daran glaubt. Oder die Szene mit den drei Schwestern, die Kuchen backen: Zwei verbrennen, einer wird im Wasser getränkt. Symbolik kann sie.
Kleiner Fun Fact zum Schluss:
Wer sich fragt, ob die Liars nun Geister oder lediglich eine Halluzination von Cadence sind – die Autorin verweist auf Kapitel 22. Viel Spaß beim Nachlesen und Theorien basteln.
Abschließend möchte ich betonen, dass das Buch keineswegs schlecht ist, es jedoch deutlich hinter seinem Potenzial zurück bleibt. Die Geschichte hätte so viel mehr Tiefe und Emotionalität bieten können und genau hier knüpft die Serie an und füllt die Lücken auf.
Mein Fazit: Spart euch das Buch und schaut die Serie. Der Cast ist großartig, die Emotionen treffen härter, und die Story wird deutlich ausführlicher erzählt. Außerdem ist Staffel 2 bereits in Arbeit – also der perfekte Zeitpunkt, sich emotional zerstören zu lassen.
„Wir sind Lügner. Wir sind schön und privilegiert. Wir sind brüchig und kaputt.“
Cadence Sinclair
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