Not Quite Dead Yet

Holly Jackson

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Published

Juli 2025

Genre

Mystery

Tropes

Small town with secrets, Strong Female Lead, Power Dynamics, Betrayal, Cold Case

Gelesen auf

English

Spice Rating

Rating

5,0

Darum geht’s

Jet Mason war schon immer eine „Das mache ich später“-Person. Doch als sie an Halloween einen schweren Angriff erleidet, ändert sich ihre Einstellung drastisch. Nachdem sie einen Tag später im Krankenhausbett aufwacht, erhält sie die ernüchternde Diagnose: Sie hat nur noch sieben Tage zu leben.

In der ihr verbleibenden Zeit entscheidet sich Jet dafür, ihren eigenen Mord aufzuklären. Gemeinsam mit ihrem Jugendfreund Billy beginnt sie, düstere Geheimnisse aufzudecken – und stellt dabei fest, dass in ihrer Heimatstadt offenbar deutlich mehr Leichen im Keller liegen, als man zunächst vermuten würde.

The Review

Leonie`s Review

Professionelle Übereinkäuferin von Büchern und Vollzeit-Liebhaberin fiktionaler Welten

Nachdem Jet den Heiratsantrag ihres Ex-Freundes abgelehnt hat, lebt sie wieder in ihrem alten Kinderzimmer bei ihren Eltern. So kommt es, dass sie ihrer Mutter, die im Vorstand der Stadt sitzt, an Halloween ein wenig unter die Arme greifen soll.

Und mit „ein wenig“ meine ich wirklich ein wenig. Denn nach kürzester Zeit und einigen unangenehmen Begegnungen mit ihrem Ex und anderen Bewohnern versucht Jet, sich aus der Verantwortung zu ziehen, und flieht nach Hause.

Dort wird sie mitten im Wohnzimmer überrumpelt. Von hinten wird ihr mehrfach auf den Kopf geschlagen.

Als sie einige Zeit später im Krankenhaus aufwacht, verraten ihr die Gesichter ihrer Liebsten bereits einiges: Es gibt definitiv keine guten Nachrichten.

Ihr Bauchgefühl bestätigt sich wenig später durch die Ärztin. Durch die drei Schläge auf den Hinterkopf hat sich ein Knochenfragment ihres Schädels gelöst, das nun auf eine Hirnarterie drückt. Kurz gesagt: Sie hat voraussichtlich sieben Tage, bis sich ein Aneurysma bildet, dieses platzt und Jet stirbt.

Spoiler Review
READ ONLY IF YOU’VE FINISHED THE BOOK

Ich weiß, wie das klingt – und genau das habe ich mir auch gedacht: Geschichten, in denen vom unausweichlichen Tod der Protagonistin ausgegangen wird, sind immer heikel. Mag man die Protagonistin, möchte man natürlich nicht, dass sie tatsächlich stirbt. Sollte sich jedoch kurz vor dem Ende herausstellen, dass alles nur ein Irrtum war und die FMC eigentlich kerngesund ist, ist die Enttäuschung ebenfalls groß.

Zumindest meiner Meinung nach gibt es ohnehin viel zu viele Geschichten, die mit einem Happy End enden. Manchmal brauche ich auch einfach ein herzzerreißendes Buch, nach dem ich mich in eine Decke wickeln und minutenlang die Tapete anstarren möchte.

Deswegen war ich sehr hin- und hergerissen, welches Ende ich mir für die Geschichte überhaupt wünsche.

Aber zuerst zurück zur Story:

Schnell wird Jet vor eine Entscheidung gestellt: Will sie sich einer Operation unterziehen, die sie mit hoher Wahrscheinlichkeit umbringen wird, oder nimmt sie die letzten sieben Tage, die ihr die Ärzte geben?

Jet grübelt nicht lange und entscheidet sich schließlich für die sieben Tage. Ihr Ziel: Ihren eigenen Mörder zu finden.

Zumindest teilweise in Zusammenarbeit mit der Polizei erhält Jet vereinzelt Informationen, beispielsweise über die am Tatort hinterlassenen Spuren. Die Mordwaffe ist sowohl unbekannt als auch unauffindbar. Gefunden wurde Jet von ihrem Kindheitsfreund Billy Finney, dessen Vater Jack – ein Ermittler bei der Polizei – direkt nebenan wohnt.

Auch ihr Handy ist verschwunden. Allerdings kann die Polizei noch während ihres Krankenhausaufenthalts mit Jets Hilfe den Standort ermitteln, an dem dieses ausgeschaltet wurde.

Mit zunächst wenig Beweisen und noch weniger Anhaltspunkten macht sich Jet also auf Spurensuche.

Nach diversen Auseinandersetzungen mit ihrer Mutter, die natürlich die Operation bevorzugt, zieht Jet kurzerhand bei Billy ein. Dieser bietet ihr außerdem seine Unterstützung bei den Ermittlungen an.

Mit vereinten Kräften und sehr viel Schwungkraft finden die beiden schließlich heraus, wo der Täter sowohl die Mordwaffe als auch Jets verschwundenes Handy entsorgt hat: im Fundament von Mason Constructions.

Jets Bruder Luke möchte in Zukunft die Firma seines Vaters übernehmen. Dafür hat er ausgerechnet einen Tag nach dem Angriff auf seine Schwester das Fundament gießen lassen.

Nach einer Runde mit dem Vorschlaghammer finden Jet und Billy die Beweismittel tatsächlich im Beton.

Ich muss zugeben: Gerade bei Mystery-Büchern bin ich grundsätzlich misstrauisch gegenüber so ziemlich jedem Charakter. Und um ehrlich zu sein, wäre es nicht das erste Buch, das ich gelesen habe, bei dem am Ende der Bruder der Täter ist.

Doch nicht nur ihr Bruder gerät ins Visier, sondern auch seine Frau Sophia – die ausgerechnet Jets ehemalige beste Freundin ist.

Nachdem die beiden Sophia genauer unter die Lupe nehmen, kommt jedoch etwas ganz anderes heraus: Sophia hat gar nicht versucht, Jet zu töten, sondern Jet‘s Vater.

Naja ihrer Meinung nach hat sie wohl nicht aktiv versucht, ihn umzubringen. Sie hat allerdings seine Lebermedikamente gegen Salz ausgetauscht, damit Luke das Unternehmen zeitig erben kann.

Kommt meines Erachtens jedoch ziemlich nah an versuchten Mord heran. Aber hey, man kann da schon mal durcheinander kommen.

Und wie heißt es so schön: Gleiches zieht Gleiches an. Denn auch Luke hat ordentlich Dreck am Stecken.

Als Jet und Billy in Mason Constructions einbrechen, um nach weiteren Antworten zu suchen, finden sie heraus, dass einige Mitarbeiter nicht offiziell gemeldet sind und somit unter der Hand bezahlt werden und ohne Versicherungsschutz arbeiten.

Um seine Spuren zu verwischen, setzt Luke die Firma in Brand – während Billy und Jet sich noch im Gebäude befinden.

Beide können sich nur knapp aus den Flammen retten.

Während Billy und Jet weiterhin fleißig ermitteln, bekommen wir als Leser immer wieder Einblicke in Jets sich verschlechternden Zustand.

So landet sie erneut im Krankenhaus, weil es ihr eines Morgens plötzlich nicht mehr möglich ist, ihren rechten Arm zu bewegen.

An diesem Punkt hat es auch bei mir langsam gedämmert: Jets früher Tod ist wohl tatsächlich unumgänglich.

Die Ärztin teilt ihr mit, dass sie die Funktion ihres Arms verloren hat und diese auch nicht wiedererlangen wird. Das inzwischen deutlich erkennbare, noch nicht rupturierte Aneurysma ist ausgelaufen und übt Druck auf die Blutzufuhr ihres Arms aus.

Doch nicht nur Jets fortschreitende Krankheit wird immer präsenter. Auch wird zunehmend offensichtlicher, dass Billy wohl nicht nur in der Vergangenheit Gefühle für Jet empfunden hat.

Als Jet sich eines Abends dazu überreden lässt, sich in der unter Billys Wohnung gelegenen Bar einen seiner Auftritte anzusehen, singt er einen sehr emotionalen Song über eine alte Jugendliebe.

Natürlich kommt Jet nicht auf die Idee, dass es dabei um sie gehen könnte.

Wir wissen es natürlich besser.

Die beiden werden zunehmend vertrauter miteinander – und ich war emotional natürlich längst investiert. Weil ein drohender Tod offenbar noch nicht genug Herzschmerz ist, brauchen wir selbstverständlich auch noch eine aussichtslose Lovestory. Danke dafür, Holly.

Zum Ende der Geschichte finden wir heraus, dass Luke mehr als nur ein dunkles Geheimnis hat.

Wir erhalten zwischendurch immer wieder kurze Informationen über Jets ältere Schwester Emily, die bereits seit einigen Jahren tot ist. Zunächst wird ihr Tod stets als Unfall bezeichnet. Doch nach und nach kommen Dinge ans Licht, die Jet daran zweifeln lassen, ob es tatsächlich einer war.

Die beiden beginnen also mit weiteren Ermittlungen und versuchen nun, nicht nur Jets, sondern auch Emilys Tod aufzuklären.

Und wer weiß – vielleicht stehen die beiden Ereignisse ja sogar miteinander in Verbindung?

Wir erfahren, dass Emily damals herausgefunden hat, dass Luke nicht der leibliche Sohn ihres Vaters ist. An jenem Tag im Pool drückt sie ihm einen blöden Spruch – wie Kinder das eben so machen – und seine Reaktion besteht darin, seine Schwester zu ertränken.

Obviously.

Doch wie soll ein kleiner Junge einen solchen Vorfall eigenständig so inszenieren, dass niemand, nicht einmal die Polizei, äußere Einwirkung als Ursache für ihren Tod erkennt?

Richtig: gar nicht.

Jet beginnt deshalb, den Täterkreis auf zwei Hauptverdächtige einzugrenzen. Für die finale Enthüllung bleibt ihr jedoch leider keine Zeit.

Ich muss sagen: Ich bin ein absoluter Jet-Fan.

Ihre Geschichte ist unfassbar traurig und trotzdem versucht sie, die Welt mit Humor zu nehmen – auch wenn sie dafür mehr als einmal einen eher verstörten Gesichtsausdruck erntet.

Sie ist bis zum letzten Moment unfassbar schlagfertig und auch Billy habe ich über die knapp 450 Seiten tief ins Herz geschlossen.

Deshalb ist mir auch kurz das Herz in die Hose gerutscht, als Jet den Werkzeugkasten der Mordwaffe in Billys Wohnung findet und dieser ihr kurz vor ihrem Tod gesteht, dass er sie angegriffen habe, um ihr den Frieden zu schenken, ihren eigenen Tod aufgeklärt zu haben.

Aber natürlich war es Billy nicht.

Der betreffende Werkzeugkasten wurde ihm damals von seinem Vater geschenkt und seitdem nie aus dem Schrank genommen.

Als Jet an diesem Abend in Billys Armen stirbt, nimmt er sich eines fest vor: Er wird den Täter stellen – als letzten Beweis seiner Liebe zu Jet.

Und was soll ich sagen: Billy ist ein Mann der Taten.

Er nimmt die letzten Erkenntnisse und Beweise noch einmal ganz genau unter die Lupe und kommt zu seinem Urteil:

Jets Mörder ist sein eigener Vater – Jack Finney.

Ich muss zugeben, dass ich Jack tatsächlich zu Beginn überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Da vertraut man einmal den Behörden in einem Buch und tappt sofort in die Falle.

Spaß beiseite, denn natürlich musste es Jack sein.

Jack, der der leibliche Vater von Luke ist und ihm damals dabei geholfen hat, den Tod seiner Schwester zu verschleiern.

Jack, der Billy den Werkzeugkasten mit der späteren Mordwaffe geschenkt hat.

Jack, der einen Posten bei der Polizei hat und somit genau weiß, was er tun muss, um unter dem Radar zu bleiben.

Hier klingt es natürlich unfassbar offensichtlich. Ich schwöre allerdings, dass ich Jack tatsächlich sehr, sehr lange nicht auf dem Schirm hatte.

Damit dieser seine gerechte Strafe bekommt, konfrontiert Billy diesen direkt. Nachdem Jack die Taten gesteht, platzt plötzlich Luke durch die Tür, der natürlich alles mitgehört hat.

Und sagen wir es so: Der ist ziemlich angepisst.

Er greift Jack mit einer Pistole an.

Wir enden damit, dass Jack Finney zu Boden geht. Ob er tatsächlich gestorben ist, erfahren wir nicht. Hier wollte sich Holly Jackson vermutlich noch ein kleines Hintertürchen für eine Fortsetzung offenhalten.

I have to say: Ich habe das Buch geliebt!

Wir bekommen hier nicht nur kontinuierliche Spannung, sondern auch unerwartete Wendungen, eine kleine Liebesgeschichte und gaaanz viel Herzschmerz.

Ein gutes Maß, an dem man ein Buch meiner Meinung nach messen kann, ist immer die Frage, wie oft man nach dem Lesen noch daran denken muss.

Und ich würde sagen: Diese Story hat sich in mein Hirn gebrannt.

Außerdem war sie ein kleiner Wachrüttler für alle „Das mache ich später“-Menschen da draußen – so wie Jet.

Denn seien wir ehrlich: Vielleicht sollten wir wirklich nicht immer alles auf später verschieben. Man weiß schließlich nie, wann plötzlich ein Knochenfragment auf einer Hirnarterie liegt und man nur noch sieben Tage Zeit hat.

Meiner Meinung nach definitiv empfehlenswert – vor allem für alle Fans der „A Good Girl’s Guide to Murder“-Reihe!

„Ich glaube, das war die schlimmste Woche meines Lebens, denn ich werde dich verlieren, und ich will dich nicht verlieren.
Aber es war auch die beste Woche meines Lebens, weil ich sie mit dir verbringen durfte.“

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