Triggerwarnung

„Dieses Buch enthält potenziell sensible Themen, die bei manchen Lesenden starke emotionale Reaktionen auslösen können. Der Schutz und das Wohlbefinden unserer Leser*innen liegen uns am Herzen. “

Pretty Girls

Karin Slaughter

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Published

Juli 2023

Genre

Mystery, Thriller

Tropes

Abuse, Betrayal, Cold Case, Female Rage, Hidden Identity

Gelesen auf

English

Spice Rating

Rating

4,0

Darum geht’s

Als im März 1991 die 19-jährige Julia nach einer Party nicht nach Hause zurückkehrt, laufen alle, eher halbherzig geführten, Ermittlungen ins Leere. Eine Leiche wird nie gefunden. Weder die Eltern noch die zwei Schwestern der Vermissten kommen je über den Verlust hinweg.
Vierundzwanzig Jahre später erschüttert eine brutale Mordserie den amerikanischen Bundesstaat Georgia.

Als Claire ihren Ehemann Paul Scott bei einem tragischen Raubüberfall in einer Gasse verliert, bricht für sie eine Welt zusammen. Sie weiß nicht, wie sie ohne die große Liebe ihres Lebens weitermachen soll – vor allem, weil… nun ja, Paul einfach alles gemacht hat. Das Haus? Pauls. Das Geld? Pauls. Technik? Natürlich Paul. Versicherungen? Überraschung: auch Paul. Man merkt schnell: Claire war eher im Nebenjob „Ehefrau“.

Als dann kurz nach der Beerdigung auch noch in ihr Haus eingebrochen wird, scheint das Chaos perfekt. Dass nichts gestohlen wurde, ist da nur ein kleiner Trost – die Ruhe vor dem Sturm, könnte man sagen. Und der Sturm kommt… gewaltig.

The Review

Leonie`s Review

Professionelle Übereinkäuferin von Büchern und Vollzeit-Liebhaberin fiktionaler Welten

Nach meinem Ausflug in die doch sehr komplexe Welt von Alchemised war mir nach etwas „Leichtem“. Also dachte ich mir: Warum nicht einfach den krassesten Thriller überhaupt nehmen? Klingt logisch, oder? Mein Fokus lag dabei ganz klar auf Bloodloss und Plot-Twists. Leider konnte Pretty Girls nur in einem dieser Punkte so richtig abliefern.

Spoiler Review
READ ONLY IF YOU’VE FINISHED THE BOOK

Als Claire nach der Beerdigung ihres Mannes versucht ihr Leben wieder zu ordnen, stößt sie beim Durchstöbern von Pauls Laptop auf verstörende Videos: junge Frauen, gefoltert und ermordet von einem maskierten Mann. Eins der Opfer sieht dem kurz zuvor vermissten Mädchen Anna Kilpatrick erschreckend ähnlich.

Während Claire beginnt, ihre gesamte Ehe (und wahrscheinlich auch ihren Männergeschmack generell) zu hinterfragen, gibt es einen kleinen Funken Hoffnung: Der Täter im Video hat nicht die drei markanten Muttermale ihres Ehemannes am Rücken – also kann es ja nicht Paul sein… oder? Als Sie die Videos bei der Polizei präsentiert, wird ihr von dem Detective erklärt, dass es sich um sogenannte Snuff-Movies handelt. Inszenierte Filmchen für Leute, denen normale S&M Pornos nicht reichen. Wer es glaubt…

Parallel dazu bekommen wir Einblicke in das Schicksal ihres Vaters. Claires Schwester Julia ist vor über 20 Jahren spurlos verschwunden, und während die Polizei den Fall längst abgehakt hat („die ist bestimmt einfach weggelaufen“ – ja klar), schreibt ihr Vater bis zu seinem Tod Briefe an sie. Emotionaler Schaden? Check.

Dann wäre da noch Lydia. Ihr Leben wirkt im Vergleich fast stabil – zumindest auf den ersten Blick. Sie ist Mutter, hat ihre Drogensucht hinter sich gelassen und führt eine Beziehung… na ja, sagen wir: sie existiert. Im Laufe der Geschichte wird klar: bei Lydia handelt es sich umClaires Schwester. Und die Beziehung der beiden? Sagen wir mal vorsichtig: es ist kompliziert.

Als Lydia damals behauptete, Paul habe sich an ihr vergangen, stellte sich die Familie auf seine Seite. (Ja, ich musste an der Stelle auch kurz das Buch zur Seite legen und tief durchatmen.) Nach Pauls Tod nähern sich die Schwestern langsam wieder an – und ziemlich schnell weiht Claire Lydia in ihren grausamen Fund ein. Gemeinsam starten sie ihre ganz eigene True-Crime-Ermittlung.

Und wie es sich für einen ordentlichen Thriller gehört: Es bleibt natürlich nicht bei ein paar verstörenden Videos. Pauls angeblich abgebranntes Elternhaus? Existiert noch. Unter anderem Namen. Völlig unauffällig, versteht sich. Als die beiden das Haus durchsuchen, stoßen sie in der Garage auf das komplette „Equipment“ aus den Videos. Jackpot… nur leider der absolut falsche.

Der absolute Tiefpunkt: Sie finden Aufnahmen vom Tag von Julias Verschwinden. Und ja – es ist genau das, was man befürchtet. Videomaterial das klar beweist, dass Julia nicht weggerannt sondern brutal ermordet wurde.

Und dann… steht plötzlich Paul im Haus. Lebendig. Nicht sehr überraschend, meines Erachtens, trotzdem war ich an dieser Stelle kurz davor, meinen Kindle gegen die Wand zu werfen.

Es folgt ein Wettlauf gegen die Zeit: Paul überwältigt Claire und entführt Lydia. Da Claire zunächst durch Paul gezwungen wird im Haus zu bleiben, entschließt Sie sich die Garage erneut zu erkundigen und stößt dabei auf Rohmaterial der Videos. And who would have guessed: Der Mörder hat urplötzlich drei Muttermale am Rücken. Mir war bereits sehr früh klar, dass Paul noch eine große Rolle spielen wird, und auch sein Wiederaufleben kam nicht sehr überraschend, hier hat sich jedoch all mein Hass gegen Ihm um so mehr vergrößert, da er doch allen ernstes zuvor noch vor Claire gestellt hat und seine Unschuld beteuert hat. Männer..

Da Paul jedoch zum Zeitpunkt des Verschwindens noch recht jung und zudem nicht im Ort war, bleibt nur noch ein weiterer Verdächtiger, nämlich Pauls bereits verstorbener Vater. Denn warum nur ein Monster, wenn man auch zwei haben kann?

Während Paul beginnt, Lydia mit ekeligsten Methoden zu foltern (ja, es handelt sich hier tatsächlich um keine leichte Kost), versucht Claire verzweifelt, ihn auszutricksen. Unterstützung bekommt sie von ihrer Mutter – die hier ganz still und heimlich zur MVP wird. Kein großes Nachfragen, kein Drama, einfach: „Was muss ich tun?“ Ehrlich, diese Frau verdient Applaus.

Das Finale spielt sich im alten Haus ab. Claire setzt es in Brand, um Paul herauszulocken – ein Plan, der halbwegs funktioniert. Statt ihn direkt auszuschalten (was ich persönlich für absolut angemessen gehalten hätte), verwundet Sie diesen und rettet zunächst Lydia aus den Flammen. Nebenbei sichert sie auch noch Beweise in dem Sie diverse Videokassetten rettet. Multitasking kann sie also.

Am Ende stellt sie sich Paul erneut – und entscheidet sich gegen den (meiner Meinung nach absolut verdienten) Impuls diesen anzuzünden und für einen „relativ“ schnellen Tod durch einen Schuss. Großzügig von ihr… ich weiß nicht, ob ich so gnädig gewesen wäre.

Nach all dem beginnt die Familie, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und bringt zumindest etwas Wahrheit und Abschluss für andere Betroffene.

Fazit:

Ich muss zugeben: Dieses Buch hat meiner Feminine Rage überhaupt nicht gutgetan. Ich war beim Lesen hauptsächlich wütend – darüber, wie lange Paul und sein Vater mit ihren Taten durchgekommen sind und wie viele andere Parteien, vor allem auch der Polizei, eingeweiht waren. Vertrauen in Männer ist… schwierig. Sagen wir so: Ein Paul kommt mir definitiv nicht mehr ins Haus!

Insgesamt ist Pretty Girls ein sehr blutrünstiger Thriller und liefert damit genau das, was ich in dieser Hinsicht gesucht habe. Was mir allerdings gefehlt hat, war der große, unerwartete Twist, der mich komplett aus den Socken haut. Pauls Wiederauferstehen hat zwar kurz zu Irritation geführt, jedoch war für den weiteren Verlauf der Story klar, das er nochmal gebraucht wird. 

Nichtsdestotrotz hat mich das Buch bis zum Schluss gepackt und die Spannung hat kaum nachgelassen. Falls ihr also ein fast-paced Thriller mit viel Blut und starken Frauen sucht, könnte Pretty Girls genau das richtige für euch sein. 

„Denn wenn ein Mann eine Frau zurückweist, geht sie nach Hause und weint ein paar Tage lang. Wenn eine Frau einen Mann zurückweist, kann er sie vergewaltigen und töten.“

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