„Dieses Buch enthält potenziell sensible Themen, die bei manchen Lesenden starke emotionale Reaktionen auslösen können. Der Schutz und das Wohlbefinden unserer Leser*innen liegen uns am Herzen. “
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Helena Marino ist die letzte Überlebende des Widerstands. Vergessen in Gefangenschaft, gerät Sie in die Fänge von Kaine Ferron, dem erbarmungslosen High Reeve des obersten Nekromanten. Eingesperrt auf seinem Anwesen, möchte Helena dem Widerstand treu bleiben und deren Geheimnisse bewahren, während Kaine versucht ihr diese mit alchemistischer Gewalt zu entlocken, eine Taktik bei der auf qualvolle Weise in die Erinnerungen der Opfer eingedrungen wird. Denn Helena erinnert sich an die letzten Jahre des Krieges nicht mehr. War sie tatsächlich nur eine Heilerin der Ewigen Flamme? Während Kaine versucht ihre Erinnerungen und die damit verbundenen Geheimnisse ans Licht zu bringen, kämpft Helena ums Überleben. Gegen Kaine, und jeden anderen Verbundenen des obersten Nekromanten.
Professionelle Übereinkäuferin von Büchern und Vollzeit-Liebhaberin fiktionaler Welten
BookTok, wir müssen reden. Ganz ehrlich… geht’s euch gut?
Ich wollte dieses Buch wirklich lieben. Der Hype war riesig, meine Erwartungen dementsprechend hoch – und vielleicht war genau das schon das erste Problem.
Zunächst möchte ich sagen, dass mir durchaus bewusst ist, dass die Geschichte ursprünglich als Dramione-Fanfiction geschrieben und konzipiert wurde. Da ich Manacled nie gelesen habe, kann ich meine Meinung nur auf die hier neu überarbeitete Version stützen, die in meinem Fall leider nicht allzu positiv ausfällt.
Wir starten direkt düster und ziemlich kompromisslos in Helenas Welt. Sie wacht ohne Erinnerungen auf, komplett allein, in einer fremden Umgebung – soweit, so spannend. Aber was dann folgt, hat mich ziemlich überrollt. Helena wird nicht nur gefangen gehalten, sondern ebenfalls gefoltert und ist Kaine Ferron komplett ausgeliefert. Sein Haus? Mehr Albtraum als Zuhause, inklusive Panikattacken-Garantie. Und als wäre das nicht schon genug, hat sie auch noch seine Ehefrau gegen sich, was in einer Szene fast ihr Augenlicht kostet.
Dazu kommen die „Gedankenexperimente“, die an ihr vollzogen werden, um Informationen über ihre Vergangenheit und die Rebellion der Ewigen Flamme aus ihr herauszulocken. Darüber zu lesen, dass jemand aufs brutalste gequält wird, ist ohnehin schon nicht ohne, besonders jedoch wenn die Gefangene so hilflos und emotional aufgeschmissen wie Helena ist. Beim Lesen war mein einziger Gedanke, dass sie eine dicke Umarmung und einen extrem guten Therapeuten braucht. So richtig unwohl wurde mir als klar wird, dass Helena gezwungen werden soll, ein Kind von Kaine zu empfangen – unter Androhung weiterer Qualen und Massenvergewaltigung. Hier war bei mir der Punkt erreicht, an dem ich kurz davor war, das Buch zuzuklappen und nie wieder zu öffnen. Ohne entsprechende Triggerwarnung (spaßigerweise dachte man sich bei der englischen Version, diese nach ganz hinten ins Buch zu packen), hat mich das emotional komplett kalt erwischt. Also, Notiz an mich selbst: Immer erst die Triggerwarnungen checken, auch wenn ich dafür einmal nach ganz hinten blättern und ggf. Spoiler in Kauf nehmen muss.
Nichtsdestotrotz muss Ich der Autorin zugute halten, dass viele Szenen nicht unnötig explizit dargestellt werden. Vor allem bei den Versuchen, Helena gegen ihren Willen zu schwängern, war ich hierfür sehr dankbar. Machte das Thema jedoch nicht weniger heavy. Also Leute tut mir hier wirklich einen Gefallen und passt auf euch auf. Nur weil das Internet gerade ein bestimmtes Buch in den Himmel lobt, ist es nicht wert dieses zu lesen, wenn es euch damit nicht gut geht. Es ist mehr als berechtigt, Bücher aufgrund von gewissen Triggerpunkten abzubrechen oder gar nicht erst aufzuklappen.
Nach meinem Leichtsinn, dass es ja nun nach diesem enormen Tiefpunkt wieder Bergauf gehen muss, bin ich noch sehr optimistisch in den zweiten Teil gestartet. Doch auch hier gibt es kein Anzeichen von Comfort. Wir springen in Helenas Vergangenheit, die genau so erdrückend und traurig ist wie die Gegenwart – und hier hat mich das Buch leider komplett verloren.
Die Kapitel ziehen sich teilweise wie Kaugummi, die Charaktere sind grausam und in keinster Weise einprägsam. Ich musste mich stellenweise echt krampfhaft wachhalten (was nie ein gutes Zeichen ist). Wir lernen Helena als talentierte Heilerin kennen und treffen auf Lucien Holdfast, den letzten Erben sowie die letzte Hoffnung der Ewigen Flamme – angeblich eine wichtige Bezugsperson für Helena, nur… ich hab’s einfach nicht gefühlt. Die Beziehung zwischen den beiden bleibt total oberflächlich. Es wird immer wieder angemerkt, dass Luc für Helena wie ein bester Freund ist. Doch dafür, dass Helena scheinbar ihr Leben für ihn geben würde, bekommen wir erstaunlich wenig Substanz der Beziehung der beiden. Ihre Gespräche drehen sich gefühlt nur im Kreis – „Komm doch mit.“ / „Geht nicht.“ – und das war’s dann auch schon. Und das ist leider kein Einzelfall, viele Charaktere bleiben blass, sodass man als Leser*in kaum eine emotionale Bindung aufbauen kann. Entsprechend hielt sich meine Trauer Schock auch in Grenzen, als nach und nach Figuren sterben. Für ein Buch von dieser Länge hätte ich mir innigere Charakter-Beziehungen gewünscht, sodass man bei intensiven Kampfszenen mehr mitfiebert. Als zum Ende dann auch Luc dem Krieg erliegt (es war nunmal von Anfang an klar, dass der Widerstand den Krieg verliert), war ich auch hier sehr distanziert.
Die einzige Beziehung, die wirklich viel Raum bekommt, ist die zwischen Kaine und Helena… und sagen wir mal so: Eine Vergewaltigung, damit die FMC dessen Kind austragen kann, ist nunmal kein besonders überzeugender Einstieg für einen Male Main Character. Zwar bekommen wir durch den Rückblick mehr Einblicke in die Beziehung der beiden vor den noch bevorstehenden Ereignissen, jedoch hatte Kaine, zumindest bei mir, keine Chance seine Weste wieder zubekommen. Versteht mich nicht falsch, Kaine ist ein durchaus attraktiver Mann, doch kann ich mich nicht auf einem fiktiven Charakter einlassen, von dem ich weiß, dass er zu so etwas fähig ist. Ob er dies nun freiwillig gemacht hat oder nicht, spielt hier meines Erachtens keine große Sache. Es gibt Grenzen die nicht zu entschuldigen sind, diese wurde hier überschritten, weshalb ich Kaine Ferron das gesamte Buch über nur mit Misstrauen begegnet bin.
Zum Ende hin wurde es für mich dann endgültig schwierig. Der Schwangerschafts-Trope ist einfach nicht mein Ding – und wenn dieser dann gefühlt ein Viertel des Buches einnimmt, verliere ich leider komplett das Interesse. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass noch DER Twist kommt, der mich umhaut. Spoiler: der kam leider nicht. Zwar fand ich es schön zu lesen, als dem obersten Nekromaten doch erneut Krieg der Krieg erklärt wird und auch dieser, nicht wie in anderen Büchern nur durch die Protagonisten gewonnen wird, jedoch wurde die Story hier nur sehr knapp abgespeist.
Ich weiß, dass das Buch ursprünglich eine Dramione-Fanfiction war – und ich kann mir gut vorstellen, dass vor allem die Dynamiken der Figuren dort besser funktioniert haben, da man sich mit diesen schon auskennt, Gesichter im Kopf hat und das Magie-System gewohnt ist. Aber wenn man das Ganze in ein eigenständiges Buch verwandelt, hätte ich mir einfach gewünscht, dass die Charaktere mehr Tiefe bekommen.
Fazit:
Ich war leider öfter versucht, einfach ein anderes Buch anzufangen – und das sagt eigentlich schon alles. Für mich konnte Alchemised den Hype nicht ansatzweise erfüllen. Ich fand den MMC mehr als grenzwertig, mir fehlten die Neben-Charaktere, die einen in ihren Bann ziehen, die Chemie zwischen den Charakteren. Könnte ich die Zeit noch einmal zurückdrehen, würde ich meinem Vergangenheits-Ich empfehlen, lieber die Fan-Fiction zu lesen und das gute Stück in der Buchhandlung liegen zu lassen. Naja, umso größer ist jetzt die Freude auf mein nächstes Buch!
„Wenn er ein Monster ist, dann bin ich sein Schöpfer.“
Helena Marino
“Du bist wie eine Rose auf einem Friedhof. Ich frage mich, was aus dir geworden wäre ohne den Krieg.“
Kaine Ferron
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